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Hohe Betreuungsquote in Ostdeutschland

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelte, liegt die Betreuungsquote für einjährige Kinder in den neuen Bundesländern dreimal so hoch, wie die Quote im Westen. Dies ergab eine Stichprobe im Frühjahr 2011. 60,6 Prozent aller ostdeutschen Kleinkinder werden demnach außerhalb der Familie betreut, während dies in den westdeutschen Bundesländern nur auf knapp 18 Prozent der Kleinkinder zutrifft. Die höchste Betreuungsquote haben mehrere Landkreise in Sachsen-Anhalt. Bis zu 82,6 Prozent aller Einjährigen werden hier tagsüber in Kindergärten oder von Tagesmüttern versorgt. Auch bei der Betreuung von zweijährigen Kindern, gibt es gravierende statistische Unterschiede zwischen Ost und West. Während die durchschnittliche Betreuungsquote im Osten bei mehr als 70 Prozent liegt – in Gera/Thüringen sogar bei 94 Prozent – liegt die Quote im Westen bei unter 50 Prozent. Analysten gehen allerdings davon aus, dass sich die Zahlen ab 2013, wenn der gesetzliche Anspruch auf einen Betreuungsplatz gültig wird, in Ost und West allmählich angleichen werden.

Tagesmütter: Betreuung bis in den Abend?

Immer mehr Eltern entscheiden sich für eine Tagesmutter, um ihre Kinder betreuen zu lassen. Wie das Beispiel im Landkreis Schaumburg (bei Hannover) zeigt, hat sich die Zahl der offiziell von Tagesmüttern betreuten Kinder fast verdreifacht. Wurden in Schaumburg vor vier Jahren noch 133 Kinder von Tagesmüttern betreut, waren es 2011 schon 380 Kinder. Ähnliche Statistiken sind vor allem in den alten Bundesländern überall anzutreffen. Noch immer ist das Potential jedoch groß. Schwierigkeiten mit der Unterbringung ihrer Kinder haben vor allem Eltern, die im Schichtdienst arbeiten. Obwohl Tagesmütter flexibler sind als Kindergärten, bieten nur wenige Tageseltern auch die Betreuung am späten Abend, oder während der Nacht an. Ob eine Betreuung zu ungewöhnlichen Zeiten möglich ist, hängt auch von der jeweiligen Organisation der Tagespflegeeltern ab. Prinzipiell ist es für Tagesmütter, die Kinder in ihrer eigenen Wohnung mit separaten Räumlichkeiten betreuen, oftmals leichter Kinder auch über Nacht zu behalten. Dies lässt sich eher bei langfristigeren Betreuungsvereinbarungen organisieren, wenn Eltern und Tagesmütter auch einen „guten Draht“ zueinander haben. Da für in Schicht arbeitende Eltern so gut wie keine passenden Kitas zur Verfügung stehen, ist eine solche Vereinbarung mit einer Tagesmutter allerdings auch in den meisten Fällen die einzige Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder spät Abends und Nachts sicher versorgt zu wissen. Deshalb sollten Eltern, die wissen das Schichtarbeit auf sie zukommen könnte, sich möglichst früh um eine Betreuung für ihre Kleinen bemühen.

Tagesmütter zu teuer?

Kindertagespflege ist für Eltern trotz finanzieller Unterstützung der Kommunen oft noch immer zu teuer. Für viele Eltern sind die Dienste einer Tagesmutter nicht bezahlbar. Fünf bis sechs Euro müssen Eltern pro Stunde Betreuung durchschnittlich bezahlen. Bei einer Vollzeit-Betreuung kommen so leicht 1000 Euro im Monat zusammen. Für Geringverdiener ist das zu viel. Deshalb ist es für viele Familien ein großes Problem, dass Städte und Gemeinden das ab 2013 gültige Recht auf einen Betreuungsplatz durch den Einsatz von Tagesmüttern zu garantieren versuchen, ohne die dafür nötigen finanziellen Zuschüsse bereit zu stellen. Noch immer gibt es eine Ungleichbehandlung in der Unterstützung von Kindergartenplätzen und Tagespflegestellen. Während Krippen und Kitas stark subventioniert werden, müssen die Kosten für Tagesmütter in vielen Gemeinden allein, oder anteilmäßig von den Eltern getragen werden. Die Warteliste für Kindergartenplätze ist lang. Allein in der Baden-Württemberger Landeshauptstadt Stuttgart gibt es rund 5000 Kitaplätze, während 4600 weitere Kinder auf einen Kita- oder Krippenplatz warten. eine hier durchgeführte Umfrage ergab, dass 63 Prozent aller Eltern nach der Familienpause keinen Betreuungsplatz für ihr Kind bekommen konnten. In den anderen deutschen Bundesländern sieht es nicht besser aus. Wenn die Regierung die für 2013 versprochene Garantie für einen Betreuungsplatz einhalten will, wird sie nicht nur bei der Ausbildung, sondern auch bei der Bezahlung von Tagesmüttern aktiv werden müssen.

„Probespielen“ bei der Auswahl der Tagesmutter

Um herauszufinden, ob die ausgewählte Tagesmutter wirklich den Anforderungen der Eltern genügt und die „Chemie stimmt“, sollte vor dem Abschluss eines Vertrages ein „Probespielen“ statt finden. Dabei zeigt sich am besten, welche Fähigkeiten eine Tagesmutter hat. Ein Probespielen ist auch wichtig, da Tagesmütter in der Regel mehr als ein Kind betreuen und sich die Kinder auch untereinander verstehen müssen. Sind die Kinder in etwa im gleichen Alter, ist das aber nur selten problematisch. Betreut eine Tagesmutter ein Kind mehr als 20 Stunden pro Woche, muss eine Pflegeerlaubnis vorliegen, so dass Eltern prinzipiell davon ausgehen können, dass wichtiges Grundwissen vorhanden ist. Die Qualität einer Betreuung zeigt sich aber vor allem im Umgang mit den Kindern. Für Kleinkinder ist ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Schlafen, Essen und Spielen notwendig. Dies sollte auch während der Betreuungszeit gewährleistet sein. Auch die Art der Aktivitäten und ob die Kinder im Laufe der Betreuung auch raus kommen, muss vorab mit der Tagesmutter geklärt werden.

Was kann eine Tagesmutter verdienen?

Um die notwendigen Rahmenbedingungen für die Arbeit von Tagesmüttern zu schaffen, müssen die einzelnen Städte und Gemeinden selbstständig neue Satzungen und Regelungen aufstellen, da nur wenig in dem Bereich bisher staatlich festgelegt wurde. In diesen regionalen Satzungen wird zum Beispiel die Bezahlung, die erwünschte Qualifikation und die Einsatzmöglichkeit von Tageseltern geregelt. Die meisten Gemeinden orientieren sich dabei an den Richtlinien für Kindertagesstätte. In der Festlegung des Einkommens von Tagesmüttern agieren die einzelnen Stadtverwaltungen unterschiedlich. So plant die Stadt Aachen, dass die Bezahlung von Tagesmüttern pro Kind rund 10 Prozent höher ausfallen darf, als der Beitragssatz in Kitas. Außerdem will die Stadt für Eltern mit einem Einkommen bis zu 16.000 Euro die Kosten komplett übernehmen. Tagesmütter sollen einen Betrag von 4,20 Euro pro Stunde und Kind, sowie 50 Prozent der Beiträge zur Sozialabsicherung bekommen. Soweit damit nur die Kosten festgelegt werden, die von den staatlichen Ämtern übernommen werden, ist dies auch in Ordnung. Rechtlich bedenklich wird es, wenn die Stadtverwaltungen versuchen die Preise vorzuschreiben und zu deckeln, wie das bereits in einigen Städten gehandhabt wird. Dagegen sollten sich die Betroffenen wehren, da sie als Selbständige nicht nur etliche Pflichten, sondern auch das Recht haben, ihren Preis selbst zu bestimmen. Wer bereit ist sich durch zusätzliche Schulungen weiter zu qualifizieren und den betreuten Kindern dadurch eine bessere Ausbildung im Vorschulalter ermöglicht, muss dafür auch entsprechend entlohnt werden.