Archiv der Kategorie: Wissenswert

Tagesmütter: Vorteile zur Kita

Die richtige Kinderbetreuung ist ein stetig wichtiger werdendes Thema. Zwar sind staatliche Kindergärten noch immer sehr gefragt, doch Tagesmütter als alternative Betreuung, gewinnen an Beliebtheit. Der Vorteil im Vergleich mit einem Kindergarten liegt zum Einen in der größeren zeitlichen Flexibilität der Tagesmütter. Dazu kommt, dass sich eine Tagesmutter durchschnittlich nur um zwei bis drei Kinder gleichzeitig kümmert, so dass die individuelle Betreuung besser ist, als dies durch die Erzieher in einem Kindergarten möglich wäre. Die Bedingungen, die für eine offizielle Bewilligung als Tagesmutter nötig sind, unterscheiden sich zwischen den einzelnen Bundesländern. So ist in Wien eine Bewilligung des Amtes für Jugend und Familie nötig, für die eine Ausbildung zur Tagesmutter Voraussetzung ist. In Graz werden zusätzlich noch ein Meldenachweis, ein Strafregisterauszug, ein Grundriss der Wohnung und Atteste aller noch im Haushalt lebenden Personen verlangt, während im Oberösterreichischen Linz eine Pflegebewilligung der jeweiligen Bezirksverwaltungsbehörde vorgelegt werden muss. Auch die Prüfung der einzelnen verlangten Nachweise ist unterschiedlich. So reicht es in vielen Städten nicht, nur einen Grundriss der Wohnung einzureichen, sondern es finden auch persönliche Kontrollen durch die Mitarbeiter der Jugendämter statt. Gleich ist, dass jede ausgebildete Tagesmutter bis zu vier Kinder gleichzeitig betreuen darf, wobei ein eventuelles eigenes Kind auch mitgezählt wird.

Tagesmütter gleich Lebensmittelunternehmer?

Die bereits vor sechs Jahren von der EU beschlossenen Richtlinien bezüglich eines einheitlichen Hygienestandards in Europa, könnte sich jetzt auch auf die Arbeit von Tagesmüttern auswirken, wenn diese Kinder im eigenen Haus betreuen. Wenn dort die kleinen Schützlinge auch regelmäßig warme Speisen bekommen, werden Tagesmütter als „Lebensmittelunternehmer“ angesehen und müssten theoretisch die dafür vorgesehenen Hygienebedingungen erfüllen. Dazu gehören, wie allgemein in der Gastronomie üblich, zum Beispiel zwei getrennte Spülbecken, regelmäßige Kontrolle der Kühlschranktemperatur und Vorschriften für den Ablauf beim Kochen. Tagesmüttervereine wehren sich allerdings gegen die Einführung dieser unverbindlichen Richtlinie und verweisen zu Recht darauf, dass bei der Betreuung der Kinder in den Wohnräumen der Eltern diese Voraussetzungen auch nicht gegeben sind. Bleibt zu hoffen, dass die Vernunft über den Regelwahn siegt, sonst könnte das steigende Interesse an einer Arbeit als Tagesmutter, aufgrund der immer höheren Auflagen und Bedingungen, schnell wieder verpuffen.

Behörden helfen bei Vermittlung von Kinderbetreuern

Nach der Geburt ihres Kindes stehen Frauen unter dem Druck entscheiden zu müssen, ob sie eine längere Babypause einlegen oder schnell wieder ins Berufsleben einsteigen wollen, sei es aus finanzieller Notwendigkeit, oder zur Sicherung des Arbeitsplatzes. Gerade für die unter Dreijährigen bietet sich dann die Betreuung durch eine Tagesmutter an, da diese flexibler auf die Wünsche der Eltern eingehen kann und sich leichter ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Oft fällt es den frisch gebackenen Eltern jedoch nicht leicht, sich zu entscheiden. Deshalb ist es für viele von ihnen hilfreich, bei der Wahl ihrer Tagesmutter auf die Unterstützung staatlicher Vermittlungsstellen zurückgreifen zu können. Von diesen werden angehende Kinderbetreuer schon im Vorfeld genau überprüft. Wird die Kinderbetreuung in der Wohnung der Tagesmutter angeboten, kontrollieren die zuständigen Betreuer die Wohnverhältnisse vor Ort und holen nicht nur von der Tagesmutter, sondern von allen in ihrem Haushalt lebenden Personen ein polizeiliches Führungszeugnis und ärztliche Atteste ein, um Risiken auszuschließen. Erst nach der Prüfung ihres persönlichen Umfeldes und einer positiven Beurteilung, dürfen Männer und Frauen einen Ausbildungskurs als Tagesmutter beginnen. „Das komplette Sicherheitspaket haben suchende Eltern nur, wenn die Tagespflegeeltern auch eine offizielle Pflegeerlaubnis des jeweiligen Jugendamtes vorweisen können. Nur mit dieser Pflegeerlaubnis darf man Tageskinder betreuen. Eltern sollten sich also grundsätzlich das Zertifikat und die Pflegeerlaubnis vorlegen lassen,“ wie ein Sprecher des Kindertagepflege-Büros der Awo erklärt. Darüber hinaus werden Tagesmütter von den zuständigen Behörden auch durch weitere Angebote unterstützt, wie beispielsweise die Bereitstellung von Einrichtungen für größere Gruppen, oder die Möglichkeit am Kinderturnen teilzunehmen. Außerdem fördern die staatlichen Stellen für Kindertagespflege auch den regelmäßigen Erfahrungsaustausch von Tagesmüttern durch Einladungen zu gemeinsamen Veranstaltungen. Davon profitieren auch die betreuten Kinder, so dass es sinnvoll ist, wenn sich die Eltern gleich an eine staatliche Vermittlungsstelle für Tagesmütter wenden, statt allein die passende Betreuung zu suchen.

Wanderausstellung für Kindertagespflege

Je näher der Termin für die gesetzlich zustehende Option auf einen Kinderbetreuungsplatz rückt, umso mehr bemühen sich Landes- und Regionalpolitiker, für die Ausbildung zur Tagesmutter zu werben. So eröffnete in Maintal Sozialminister Grüttner (CDU) eine neu ausgerichtete Wanderausstellung über Kindertagespflege. „Bildungsort Kindertagespflege: von Anfang an familiär, verlässlich, professionell – Tagesmütter und Tagesväger gestalten die Zukunft“, lautet der etwas sperrige Titel der Ausstellung, die möglichst viele potentielle Tagespflegeeltern anlocken soll. Grüttner: „Derzeit sind rund 3.100 Tagespflegepersonen, 3.024 Tagesmütter und 70 Tagesväter, in Hessen tätig. Sie betreuen über 9.000 Kinder, davon 6.394 Kinder unter drei Jahren. Damit das Angebot an Plätzen in der Kindertagespflege noch größer wird, hat das Hessische Sozialministerium ein Bündel von Maßnahmen rund um die Kindertagespflege geschnürt“. War bis vor wenigen Jahren, gerade in der CDU, die außerhäusliche Kinderbetreuung noch verpönt, so ist auch den Christdemokraten in den vergangenen zwei Jahren – gezwungenermaßen – die polemische Kehrtwende gelungen. Grüttner: „Kinderbetreuung in Kindertagespflege ist gerade auch für die Jüngsten gut geeignet. Kindertagespflege hat viele Vorteile für Eltern und Kinder. Sie ist ein Bildungsort, der familiennah, flexibel, verlässlich und professionell ist.“ So ist die von ihm eröffnete Ausstellung ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen, mit denen die Garantie auf einen Betreuungsplatz, bis zum Stichtag im kommenden Jahr, durch das hessische Sozialministerium gewährleistet werden soll. Die Ausstellung richtet sich auch an Eltern, die über die Flexibilität und Qualität einer Kinderbetreuung durch Tagesmütter informiert werden sollen. Vorrangig jedoch hoffen die Veranstalter Menschen für diese Tätigkeit zu begeistern, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Dargestellt werden die wichtigsten Inhalte und Rahmenbedingungen der Kindertagespflege. Als hauptsächliche Botschaft stehen jedoch die Vorteile der Kinderbetreuung durch Tagespflegeeltern, sowohl für die Eltern, als auch für die Betreuer im Vordergrund.

Schlechte Bezahlung verringert Angebot

Immer mehr Eltern schätzen die Betreuung ihrer Kinder durch Tagespflegeeltern. In den meisten Städten und Gemeinden ist die Nachfrage nach Tagesmüttern noch immer um ein Vielfaches höher, als das Angebot. Eines der Hauptprobleme ist die schlechte Bezahlung von Tageseltern, die in der Regel kaum mehr als 1000 Euro im Monat verdienen können – für eine selbständige Tätigkeit, ein unhaltbarer Zustand. Deshalb entscheidet sich ein Großteil der Frauen, auch nach einer Ausbildung zur Tagesmutter, gegen die dafür notwendige Selbständigkeit. Zwar mangelt es nicht an Bewerbern für die vorgeschriebene Weiterbildung, doch die Begeisterung schwindet rapide, nachdem die gesetzlichen Einschränkungen und Zuschüsse bekannt werden. „Vielen wird nach etwas mehr als einem Jahr erst klar, wie wenig unterm Strich bei ihnen hängen bleibt“, erklärt die Geschäftsführerin des Tagesmüttervereins Reutlingen. Zwischen 3,50 Euro und 3,90 Euro pro Kind und Stunde bekommen Tagesmütter von den jeweiligen Gemeinden bezahlt. Eine Zuzahlung durch die Eltern ist deshalb unerlässlich, wenn eine gute Betreuung gewährleistet werden soll. Es gibt allerdings mittlerweile auch Gemeinden, die versuchen diese Zuzahlung zu deckeln, um Chancengleichheit für alle Eltern zu erreichen. Dies scheint zwar auf den ersten Blick positiv, ist jedoch langfristig nachteilig, da beispielsweise die Angebote flexiblerer Betreuungszeiten stark abnehmen und die ohnehin geringe Attraktivität des Berufes weiter sinken würde. Es muss sich jedoch nicht nur die Bezahlung von Tagesmüttern verbessern, auch die Anerkennung dieses Berufs in der Öffentlichkeit lässt noch zu wünschen übrig. Dabei ist die Pflege und Erziehung von Kindern eine der verantwortungsvollsten und wichtigsten Arbeiten in unserer Gesellschaft.